"Ich wurde ja schon öfters bedroht"
Lektor Dkfm. Franz M. Bognerim Interview
Lehrveranstaltungen: Public Relations im 1.+2. Semester und Integriertes Kommunikations- management zusammen mit Prof. Signitzer im 3. Semester
Erst kürzlich erreichte KOMMPress ein Kommentar von Franz Bogner zu einer Podiumsdiskussion. Wir baten zum Interview. Als erfahrenen Lobbyist, der unter anderem für die Einführung der Nullfünf-Promillegrenze für Autofahrer verantwortlich ist, mussten wir Franz Bogner selbstverständlich stilgerecht im Café Landtmann treffen. Das altehrwürdige Kaffeehaus gilt als die Hochburg des Wiener Lobbyismus... Das Interview führte KOMMPress-Redakteur Flow (>>Profil) erstmals zusammen mit Marlene (>>Profil).
"Mein Wiener Modell priorisiert keine Disziplin"
KOMMPress: Welche Vorlesungen halten Sie an der FHWien und was können Sie uns über Ihr "Modell der Wiener Schule" sagen?
Bogner: Meine Lehrveranstaltungen im ersten und zweiten Semester sind PR 1 und PR 2 inklusive der jeweiligen Instrumentenwerkstatt für die Vollzeit Studierenden. Jetzt erweiterte sich dies um die Lehrveranstaltung gemeinsam mit Prof. Signitzer von der Universitiät Salzburg, in der wir die Kommunikationsmodelle nach Grunig und Gronsted vorstellen. Als dritter Ansatz ist eben mein Modellansatz der "Wiener Schule" dabei. Dieses Modell priorisiert keine der Disziplinen wie Marketing, PR und CI - sondern es wird gleichwertig vernetzt. Andere Modelle wie das von Prof. Bruhn gibt dem Marketing dem Vorzug. Fairerweise muss gesagt sein, dass mein Modell noch ein Ansatz ist, und ich sehr gern anbieten möchte, Interessierte bei einer etwaigen Diplomarbeit zu diesem Thema zu unterstützen."Ich war immer einer der sehr viel weggegangen ist"
KOMMPress: Wie haben Sie die Veranstaltung KOMMParty* "Erstkontakt" erlebt? Und haben sie soetwas überhaupt schon erlebt?
Bogner (hier im Bild auf der KOMMParty):[>>Originalton!] So etwas hab ich schon erlebt, nicht das gleiche - das war super. Also wissen Sie, ich bin ein älteres Semester aber ich war immer einer der sehr viel weggegangen ist.
KOMMPress: Man kann also bei der Zweitkontakt-Party wieder auf Sie zählen?
Bogner: Jaja, obwohl, mit 60 geht man nicht mehr auf soviel Partys.
"Du musst einen Schnitt machen"
KOMMPress: Wie sieht ihr Tagesablauf nun aus mit 60?
Bogner: Mir geht es jetzt sehr gut. Ich hatte wirklich über viele Jahrzehnte Jobs wo ich eingespannt war auf Minutentakt. Sitzungen, Termine – wirklich im Viertelstundentakt und in der Nacht und am Wochenende usw. Dann vor fünf, sechs Jahren hab ich dann gesagt: Das darfst du nicht bis 65 machen wie andere: Die fallen um, werden krank, kriegen alle mögliche Zustände... Du musst einen Schnitt machen. Ich interessiere mich jetzt sehr für Kunst der Zwischenkriegszeit 20/30er Jahre aus Österreich.
"Ich war immer ein sehr aktiver Mensch"
KOMMPress: Sind Sie immer alleine unterwegs oder gibt es eine Frau Bogner?
Bogner (hier mit Studierenden auf der KOMMParty):[>>Originalton!] Ich lebe in einer Lebensgemeinschaft und hab ein kleines Baby mit zwei Jahren. Ich lebe also nicht alleine. Ich war immer ein sehr aktiver Mensch, sagen wir so.
KOMMPress: Welche Freizeitaktivitäten gibt’s noch?
Bogner: Ja, ich bin Kunstinteressiert und spiele Tennis - derzeit hab ich einen Tennisarm, da kann ich leider nicht spielen. Ich lese außerdem sehr viel. Das kommt aus dem Journalismus. Wenn sie mal Journalist waren, dann glaub ich ist man innerlich gezwungen Medien zu hören, zu schauen oder zu lesen. Jetzt bin ich draufgekommen, irgendwas ist da gestanden was ich versäumt habe zu lesen - das ist mir fast unangenehm.
KOMMPress: Über die Königin von Schweden die momentan in Wien ist? (Red: Interview fand am 21.11.2007 statt)
Bogner: Na des is ma wurscht.
"Ich wurde ja schon öfters bedroht"
KOMMPress: Sie haben in ihrem Leben schon viel erreicht. Was kann die Welt noch von Franz Bogner erwarten?
Bogner (hier zusammen mit Lektor Dietrich): Naja vielleicht mach ich noch ein Buch. [Red: "Das neue PR-Denken" war Bogners erstes Buch] Aber, alles zu seiner Zeit. Große Sachen in der Öffentlichkeit hab ich nicht vor. Mir tut es eigentlich gut, denn wenn ich so les wie in der Politik die Leute jeden Tag unter Strom, unter schwersten Spannungen stehen. Da schläft man ja auch nicht gut. Ich wurde ja schon öfters bedroht, wie beispielsweise bei dem Durchsetzen der 0,5 Promille Grenze im Parlament, oder, was ich erst später erfahren habe, als ein Verrückter mit einer Puff'n in der Hand bei meiner Sekretärin nach dem Bogner fragte. Daher werd ich – mal schaun.KOMMPress: Es heisst, Journalisten haben eine niedrige Lebenserwartung, stimmt das?
Bogner: Ja, Journalisten auch aber Personen in Führungspositionen. Manche verkraften das irrsinnig gut, den Druck, manche eben nicht. Ich war in meinem Leben nie in einer Seitenblicke Sendung. Ich war oft auf Veranstaltungen und dann kommt immer wieder einer her und fragt "was halten sie von dem" und ich habe aber nie etwas gesagt. Das wollte ich nie. Ich war dennoch - Jobbedingt - viel im Fernsehen. Für das Verkehrskuratorium hab ich mich sogar bemüht in die Medien zu kommen. Ich habe ja keine Angst davor.
"Da muss man einen irrsinnig langen Atem haben"
KOMMPress: Haben Sie irgendwelche speziellen Eigenheiten oder Marotten?
Bogner: Ich bin sehr beharrlich. Ich gebe nicht auf - wenn ich etwas vorhabe, ziehe ich das durch. Und der erste Anlauf wird manchmal abgeschmettert. Da muss man einen irrsinnig langen Atem haben und darf nicht aufgeben.KOMMPress: Ist das ein Erfolgsgeheimnis?
Bogner: Na sicher. Die Beharrlichkeit und das Durchhaltevermögen sind schon sehr wichtig.
KOMMPress-Redakteure Marlene (>>Profil) und Flow (>>Profil): Danke für das Interview!
Bogner: Kommts, ich nehm euch noch mit zu einer Ausstellung in der Nähe!
Link: Bogners Gastkommentar auf derStandard.at zum Thema Schleichwerbung
Beitrag Online gestellt von komm.rip am 11. Januar, 15:36




