"Man soll sich nicht aufdrängen..."

Univ.-Prof. Dr. Fritz Scheuch, Lektor FHWien. Foto: Jasmin PorstendörferLektor O.Univ.-Prof. Dkfm.Dr. Fritz Scheuch im Interview

Lehrveranstaltung: Marketing
im 3. Semester JG 2010 BB

Trotz seiner Vorliebe für Waschstraßen, wo Dr. Fritz Scheuch während dem Waschvorgang eigentlich die Zeit des Nichtstuns genießen möchte, wird ihm nach kurzer Zeit fad und beginnt Staub zu wischen. Da er kein Freund von Langeweile ist, kam der Professor am Institut für Marketing der WU am 28. September 2007 auch mit Freude zum Interview mit KOMMPress-Redakteurin Karin "wotka" Wotruba.

KOMMPress: Für alle, die ihr Buch Marketing – Leicht gemacht noch nicht kennen: Warum gibt es keine Schnitzel bei McDonalds? (Untertitel des Buchs)

Scheuch: Ich gebe Ihnen eine sachliche Antwort. McDonalds ist ein Franchise System mit globalem Standard und einem hohen Maß an integrierter Kommunikation. Die Stärke liegt in der Standardisierung. Nationale Anpassungen sind nur in kulturabhängigen Situationen erlaubt, wie z.B.: Rindfleisch in Ländern wo die "heilige Kuh" nicht gegessen werden darf. Ein Schnitzel wäre demnach ein Sündenfall. Hätte ich das Buch in Italienisch geschrieben würde es heißen: Warum gibt es keine Spaghetti bei McDonalds?

KOMMPress: In wie fern unterscheiden sich Ihre Vorlesungen an Fachhochschulen von denen an der WU? Und wo sehen Sie den Vorteil einer Fachhochschule?

Scheuch: Meine Vorlesungen unterscheiden sich nicht. Wo ich das gleiche unterrichte, sind Inhalt und Qualität die selben. Der Unterschied an Fachhochschulen ist die Homogenität der Teilnehmer und beruflich bestimmtes Interesse bei berufsbegleitenden Studiengängen. Vorteile sind der geordnete Betrieb und die Übersichtlichkeit, der vorgefertigte Stundenplan und die Kalkulierbarkeit des Curriculum.

Univ.-Prof. Dr. Fritz Scheuch, Lektor FHWien. Foto: Jasmin PorstendörferAn der Uni findet man eher heterogenes also gemischtes Publikum und auch viele Austauschstudenten. Man weiß nicht was sie vorher gemacht haben bzw. nachher machen werden. Das Interesse ist ein eher distanziertes, da die Zielorientierung fehlt. Viele wissen nicht wofür sie ihr Studium brauchen und was sie dann damit machen wollen.

KOMMPress: Was glauben Sie, ist das Erfolgsrezept von Google? (Anmerkung: Zitat Fritz Scheuch auf derstandard.at am 18.9.2007 - "Google hatte das richtige Produkt mit einem guten Namen zur richtigen Zeit. [...] So lange kein charmanteres Konkurrenzprodukt auf dem Markt ist, hat Google nichts zu befürchten")

Scheuch: Das Prinzip Suchmaschine war nicht neu, Technologiedurchbrüche passieren! Ein exogener Faktor sind die Daten, denn wenn keine Datenbanken vorhanden sind brauchen wir keine Technologie zum Finden und Aufbereiten von Daten. Erfolgsfaktoren sind das gute Produkt und der Name. Er muss gängig sein und für andere Länder kein Problem sein. Die Frage ist, wer ist "first to the market", wer besetzt die Idee und ist in den Köpfen der Konsumenten die Nummer Eins.

KOMMPress: Sie sind jetzt 62 Jahre alt, wann gedenken Sie in Pension zu gehen und wo sehen Sie sich in 10 Jahren?

Scheuch: Professoren in meiner Generation gehen mit 68 Jahren in Pension. Ich denke, wenn ich nicht krank werde, meine Tätigkeit mit anpassender Intensität zu Ende zu führen. Also 2013. Da bin ich dann 72 Jahre alt und habe nicht vor, mich weiterhin mit meinem Fach intensiv zu beschäftigen, auch aufgrund der vielen Denkschablonen. Man soll sich nicht aufdrängen und glauben, man weiß alles. Junge Leute sollen forschen, denken und publizieren. Wir Professoren können das in diesem Beruf relativ gut selbst bestimmen und das möchte ich intelligent einsetzen.

KOMMPress: Sie erzählten im Unterricht, ihre beiden Söhne arbeiten auch im Marketing. Wie ist es dazu gekommen?

Scheuch: Das muss wohl genetisch sein, denn ich selbst habe nichts dazu beigetragen. Ich wollte die Kinder nicht beeinflussen. Es hat sich aus ihrem Interesse ergeben. Sie haben selbst entschieden an der WU zu studieren und bewusst meine Vorlesungen nicht besucht.

KOMMPress: In Anlehnung am klassischen Marketing Mix, haben Sie eigene "4 P's" für ihr Privatleben?

Scheuch: Diese einfache Analogie funktioniert im Privatleben nicht. Kommerzielle Denkmuster sind auch nicht ins normale Leben zu übertragen. Das verstößt gegen die Komplexität der Gesellschaft und die Komplexität der Psyche des jeweils anderen.

KOMMPress: Wie stehen Sie zum Studienthema "Integrierte Kommunikation" und welches theoretische Modell finden Sie am sinnvollsten?

Univ.-Prof. Dr. Fritz Scheuch, Lektor FHWien. Foto: Jasmin PorstendörferScheuch: Das Studienthema halte ich für sehr zentral, denn gute Kommunikation ist immer integrierte Kommunikation. Der Gedanke an integrierte Kommunikation ist immer schon dagewesen. Manfred Bruhns Ansätze sind instrumentell-handwerklich und gefallen mir sehr gut und nebenbei ist er ein langer Weggefährte vor mir.

KOMMPress: Danke für das Interview und noch viele weitere schöne Jahre als Lektor an der FHWien!

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