Strategie für Krieg und Markt?

Strategie ist die vorausschauende Planung zur Erreichung eines Zieles. Mit Hilfe eines Serious Games Projekts des FHWien-Instituts für Kommunikationsmanagement der WKW untersucht der Jahrgang 2010-Dipl Strategien im spannenden Kontext des Web 2.0.

Projektleiter und Lektor Mag. Robert Kana analysiert die notwendigen strategischen Überlegungen:

Wir spielen ein Strategiespiel (mit durchaus kriegerischem Kontext). In diesem Spiel ist es möglich, Strategie zu lernen: Als Überblick, der gebraucht wird, dass einzelne Maßnahmen nicht an den gesetzten Zielen vorbei arbeiten. Die Übertragung auf eine Marktsituation darf nicht 1:1 erfolgen. Die Reflexion von Markt und Krieg erst lässt die Unterschiede deutlich werden.

Ziele können unterschiedlich sein, sodass auch die Strategien sehr vielfältig ausfallen können. Unternehmensziele und Kriegsziele sind dabei jedoch niemals ident.

„Der Zweck des Krieges ist der Frieden“

Strategie formuliert den Weg, der zur Zielerreichung notwendig ist. „Der Zweck des Krieges ist der Frieden“, formuliert Clausewitz, der wichtigste Kriegstheoretiker Anfang des 19. Jahrhunderts. Gibt es keine Strategie, so verlieren die operativen Maßnahmen das Ziel leicht aus den Augen. Ohne Strategie wird der Krieg dann zum endlosen Krieg. Die Strategie überprüft also einzelne Maßnahmen und überlegt, ob diese zur Zielerreichung tatsächlich dienen.

Unternehmensziele sind keine Kriegsziele. Und dennoch formulieren viele strategische Paper kriegsähnliche Ziele. Nach wie vor. Das Ziel eine marktbeherrschende Stellung einzunehmen, beinhaltet zum Beispiel, andere aus dem Feld zu schlagen.

„Ein Unternehmen positioniert sich im Einklang mit seiner Umwelt“

Neben militärischen Zielen können Unternehmensziele ganz unterschiedlich ausfallen. Es sind Ziele, die ein Miteinander vor dem Gegeneinander positionieren. Solche Ziele sind heute unter dem Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) zusammengefasst. Ein Unternehmen will dann gar keine Herrschaftsstellung einnehmen, sondern positioniert sich im Einklang mit seiner Umwelt. Es wird alles daran setzen, seinen Nutzen, den es den Menschen bringt, zu kommunizieren. Die Aufgaben ändern sich. Ein solches Unternehmen hat das Ziel, der Umwelt zu vermitteln, für die Anderen verantwortlich zu sein. Diese Verantwortungsstrategie gründet auf der Tatsache, dass Unternehmen für Menschen (in Gesellschaften) da sind und sein sollen. Arbeiten Unternehmen gegen Menschen, so braucht die Gesellschaft diese nicht.

„Ein Krieg zerstört Werte und schafft ganz sicher keinen Mehrwert“

Wer strategische Aufgaben übernommen hat, muss sich sein Umfeld ansehen. Auch diese Überlegung geht auf Clausewitz zurück. Ein Kriegsumfeld benötigt spezifische Ziele (der Zweck muss sein, zu befrieden), ein Marktumfeld benötigt gleichfalls spezifische Ziele. Die Übertragung von Kriegszielen auf den Markt würde den Markt zum Kriegsschauplatz machen, obwohl er das nicht ist: Der Markt ist ein Schauplatz auf dem Menschen sich treffen, um sich auszutauschen und einander dadurch gegenseitig zu bereichern. Der Markt hat eine wichtige soziale Funktion, die Mehrwert schafft. Ein Krieg hingegen zerstört Werte und schafft ganz sicher keinen Mehrwert (sondern neue Umweltbedingungen).

„Sich durchsetzen müssen/wollen GEGEN andere...“

Die Gefahr eines solchen Spieles wie jenes, das wir spielen, liegt darin, dass Menschen den Unterschied von Krieg und Markt nicht auseinanderhalten können. Da es sich bei Die Stämme um das erfolgreichste Strategiespiel im deutschsprachigen Raum handelt, das noch dazu während der Arbeitszeiten gespielt wird, kann angenommen werden, dass die in Unternehmen ablaufenden Prozesse Ähnlichkeiten mit jenen eines Kriegsspiels aufweisen. „Sich durchsetzen müssen/wollen GEGEN andere, sich verteidigen, andere austricksen und hintergehen, mit verdeckten Karten spielen anstatt offen zu sein, eigene Ziele verfolgen statt gemeinsame, mehr erhalten wollen als andere etc.“, all diese Phänomene finden sich ja ungehemmt in den Unternehmen und den Menschen selbst.

Wenn tatsächlich Krieg und Markt als ein kulturelles Phänomen nicht mehr trennscharf unterschieden werden können, weil die kulturellen Bedingungen sich kriegsähnlichen Situationen und kriegsähnlichem Verhalten annähern, dann tut eine Auseinandersetzung mit Krieg und Markt not. Das bewusste Spielen von kriegsähnlichen Situationen bringt uns der Unterscheidung von Krieg und Markt näher als die Tatsachen, die vorliegen, wegschieben zu wollen.

„Die wenigsten Menschen haben gelernt strategisch zu denken.“

Die Aufhebung der Hierarchien in den Unternehmen bringt neue Machtverteilungen mit sich. Dies verleitet Menschen allzu leicht dazu, einen Kriegsschauplatz zu sehen, wo Marktbedingungen gelten müssen, um einen Mehrwert zu schaffen. Und wenn es Krieg ist, der geführt wird, dann muss es ein Krieg sein, der seinen Zweck erfüllt: Frieden zu schaffen. Und die große Frage bleibt bestehen, ob all jene, die Krieg führen am falschen Platz (Markt), sich tatsächlich auf das große Ziel des Friedens einschwören und alle Maßnahmen so setzen, dass durch kriegsähnlichen Umgang Frieden hergestellt werden kann. Wir denken, nein, das können sie nicht. Denn die wenigsten Menschen haben gelernt strategisch zu denken. Sie führen dann Krieg, ohne Frieden herstellen zu können. Und dies ist der Anlass, dass wir spielen.

Ein KOMMPress-Gastbeitrag von Projektleiter Mag. Robert Kana.
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